Die Arbeit von Annegret Heinl hat mit den Collagen der sechziger Jahre begonnen und entwickelte sich über die Inspiration durch Sprache und Musik bis zu ihrer Durchdringung und dem Absuchen ihrer Grenzen. Besonders ihre optischen Partituren, die Variationsmöglichkeiten im Spiel mit der Struktur des Liniensystems und Ornaments suchen, sind ein anregender Beitrag im Dialog zwischen Musik und bildender Kunst. Zum Leitmotiv ihres Schaffens wurde auch der Moment, in dem ein kleiner Impuls große grundlegende Veränderungen verursacht. Er taucht sowohl in ihren Collagen aus Partituren ohne Noten als auch in umfangreichen Zyklen von Werken auf, die der Spiegelung und dem Spiel mit Symmetrie gewidmet sind oder die im Zusammenhang mit Performances entstanden sind. Ein wichtiger Teil der Arbeit von Annegret Heinl sind auch Aktion und Installation, die meist in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstehen. Oft handelt es sich um das Festhalten oder Erkunden der Grenzen zwischen den künstlerischen Ausdrucksmitteln. Im Werk von Annegret Heinl erscheint ein feines Element der Übertreibung, des Humors und der Poesie, vor allem in den letzten Jahren, nachdem sie begonnen hat, sich mehr mit Aktions- und Installationskunst zu beschäftigen, wie man in der Ausstellung im Zündorfer Wehrturm bei der Installation Nadelarbeit sehen kann. Bei Gesprächen über ihre Arbeit habe ich die Bedeutung der Fähigkeit bemerkt, durch eigene Performance die Wahrnehmung des Schaffensprozesses zu würdigen. Den synthetischen und emotiven Ausklang der Aktion erreicht die Künstlerin durch parallele und regelmäßige Wiederholung und Schichtung von Bild-, Text- und Klangereignissen. Besonders deutlich wird dies in den Performances wie Triade und Aquatonus von 2005, die sie zusammen mit Chao-Ming Tung erarbeitet hat. - Das spezifisch rationale Denken, das Annegret Heinl bei der Erkundung von Wirklichkeit und Experiment benutzt, überschreitet sie mit Hilfe der poetischen Ebene des Themas. Ihre Arbeit gewinnt so gegenwärtigen Charakter.

Tereza Petišková, 2009